Der Brauch des Wolfauslassens

Wissenswertes und Interessantes über die Entstehung und den Brauch des "Wolfauslassens" im Bayerischen Wald.

Entstehung des Brauchs des "Wolfauslassens"

  • Früher haben die Hirten den Kühen Glocken um den Hals geschnallt, um die Bären und Wölfe durch das Gebimmle von der Weide fernzuhalten und um verlorene Tiere leichter wiederzufinden (für den letzteren Zweck werden vereinzelt auch heute noch Kuhglocken verwendet).
  • Außerdem hat der Hirte von Zeit zu Zeit mit seiner Goaßel geschnalzen, um die Raubtiere damit abzuschrecken.
  • Im Spätherbst wurden die Kühe in die Stallungen getrieben. In dieser Zeit haben sich dann die Bauern und Knechte der einzelnen Höfe die Kuhglocken selbst umgeschnallt und kräftig geläutet um zum einen die Wölfe und Bären vom Bauernhof fernzuhalten und zum anderen haben sie dadurch ihre Freude über eine gelungene Ernte und den verlustlosen Weideaufenthalt der Kühe zum Ausdruck gebracht.
  • In der Frühzeit des Wolfauslassens könnte dies auch noch der Dämonenabwehr gegolten haben, weil sich der Glaube an die Finsteren Mächte in den riesigen Waldgebieten des Bayerischen Waldes, sehr lange gehalten hat.

In der heutigen Zeit, in der man keine Wölfe und Bären mehr zu fürchten braucht, ist man im Klosterort Rinchnach stolz, dass man die Erinnerung an diese gute alte Zeit durch das traditionelle Wolfauslassen in Rinchnach am 9. und 10. November aufrecht erhalten hat.

Zum Brauch selbst:

Schon ab Mitte September geht es los mit dem Training für's Goaßelschnalzen (Geißelschnalzen).

Was ist eine Goaßel?

  • An einem ca. 30 cm langen Stock ist durch ein Gehänge ein 2,5 - 5,5 m langer Strick angebracht, der beim Stock bis zu 8 cm Durchmesser hat und zur Spitze hin immer dünner wird.
  • An das dünne Ende wird ein sog. Vorhauer (Länge ca. 1 m) angebracht, der wie der Strick zur Spitze hin immer dünner wird und ebenfalls aus Hanf geflochten ist.
  • Die Spitze bildet schließlich das Schnürl. Das Schnürl ist das Teil an der Hanfgoaßel, das beim Schnalzen einen lauten Knall hervorruft und nur ein paar mal verwendet werden kann. Das Schnürl hat eine Länge von ca. 30 cm und sieht aus wie ein kleiner gelber Pferdeschweif.

Die Goaßel wurde früher mit Wagenschmiere eingefettet und anschließend in feinen, feuchten Sand gelegt, damit sie besonders schwer und geschmeidig wird und man damit besonders laut schnalzen bzw. knallen kann.
Mit diesen Goaßeln trainiert man schließlich, um beim Wolfauslassen keine Fehler zu machen.

Die Goaßelschnalzer gehören nämlich genauso zum Wolf -der Wolf ist die ganze Gruppe, die beim Wolfauslassen ihr Unwesen treibt, und besteht aus dem Hirten, den Burschen, die die Glocken läuten und den Goaßelschnalzern.

Die Goaßelschnalzer treten oft in Gruppen von drei bis max. fünf Personen auf, und schnalzen in einer Reihe aufgestellt, im jeweiligen Takt. Wer den sogenannten Fünfer (mit 5 Personen) so beherrscht, daß der Abstand zwischen den Goaßelknallern ziemlich gleich ist, gehört zur Elite der Goaßelschnalzer.

Zu den Glocken:

Durch den traditionellen Konkurrenzkampf (nur beim Wolfauslassen) zwischen den einzelnen Dörfern und Wölfen wurden die anfangs kleinen Kuhglocken (15 - 20 cm groß und nur wenige Pfunde schwer) immer mehr durch die heutigen gewaltigen Glocken und Kanister (30 - 90 cm groß und bis zu 35 kg schwer) verdrängt, weil man damit natürlich wesentlich lauter ist, als mit den kleinen nostalgischen Kuhglocken.

Große Rinchnacher Kuhglocken-Sammlung

Der Rinchnacher Kuhglockensammler Herbert Katzdobler hat über 200 alte Kuhglocken gesammelt und liebevoll nebeneinander auf seinem Dachboden aufgehängt. Er besitzt damit wohl die größte Sammlung von echten, alten Kuhglocken im Bayerischen Wald.