Glasmacherbräuche

Über die alten Glasmacherbräuche: Klopfageh, Einscheppern & Schimmelgehen

Brauchtum in den traditionellen Handwerksbetrieben

Die Glashütten als geschlossene Einheiten boten genau den richtigen Nährboden für das Entstehen und Gedeihen zunfteigener Bräuche.

Persönlicher Weckdienst:  "s’ Klopfageh"

Bevor die Glasmacher mit ihrer Arbeit beginnen konnten, mussten die Materialien zunächst eingeschmolzen und vermengt werden. Die Schürer und Schmelzer lieferten hier die entsprechende Vorarbeit  und diese konnte schon mal bis Mitternacht dauern.

So konnten sich einige Glasmacher in der Zwischenzeit zu Hause schlafen legen.

Wenn das Glas dann abgeschmolzen war, forderte der Schmelzer den Schürer auf, die Glasmacher aus dem Schlaf und in die Arbeit zu holen. Mit den Worten "Iatz kannst zum Klopfa geh!" beauftragte der Schmelzer den persönlichen Weckdienst und der Schürer machte sich auf den Weg durch den Ort, um die Glasmacher aus ihren Betten zu klopfen – ausgerüstet mit Holzhammer und Scheite.

Gab es in der Hütte mehrere Schmelzöfen, so hatte jeder Ofen sein eigenes Klopfsignal und es mussten nur die Glasmacher zur Arbeit erschienen, deren "Wecker-Klingelton" geklopft wurde und somit die, deren Glasschmelze bereits vorbereitet war.
Lagen die Wohnungen der Arbeiter allerdings nicht zu weit entfernt von der Hütte, so reichte oftmals ein lauter Ruf durch das Hüttentor aus.

Wehe dem, der verschläft: "Einscheppern"

Sollte ein Glasmacher seinen Arbeitsbeginn einmal verschlafen oder besser, sollte seine Frau versäumen, ihn zu wecken (denn das war ihre Pflicht), so blieb er besser gleich zu Hause. Denn ein verspäteter Arbeitsantritt bedeutete definitiv kein Zucker schlecken.
Fiel den Arbeitern in der Hütte auf, dass jemand nicht pünktlich zur Arbeit antrat, wurden einige als Wachen aufgestellt. So hatte der Regelbrecher kaum eine Chance, unbemerkt in die Hütte zu gelangen.

Bei seinem Eintreffen wurde dann sofort die ganze Belegschaft informiert! Jeder schnappte sich ein Werkzeug und es wurde so lange Lärm gemacht und "gescheppert", bis der zu späte Gekommene seinen Arbeitsplatz erreicht hatte.
Sollte so ein Frevel tatsächlich ein zweites Mal vorkommen, dann blieb der Verschlafene lieber gleich daheim!

Faschingstreiben: Das "Schimmelgehen"

Am Faschingsdienstag, also dem letzten Tag im Fasching, ging es in den Glasmacherorten immer besonders lustig zu. Da gab es während der Arbeit schon das ein oder andere Bier mehr als sonst und auch der Feierabend wurde am besten ein bisschen vorverlegt. Im Anschluss ging es dann ins "Hüttenzangl", dem Hüttenwirtshaus und hier begann das traditionelle "Schimmelgehen".

Zwei Glasmacher als Schimmel verkleidet, einer als "Antreiber", stürmten durch die Wirtsstube und rund um den Tisch des Hüttenherren. Nach ein paar Runden begann dann die Verhandlung mit dem Hüttenherrn und es wurde zumeist vom Antreiber das Freibier für den restlichen Abend ausgehandelt.
Je nach Region wurden die Verhandlungen mit Schimmel und Antreiber unterschiedlich durchgeführt: Im Böhmischen wurden mit dem Schimmel Spenden der Dorfbewohner gesammelt, die dann abends im Wirtshaus für die flüssige Verpflegung verwendet wurden.