Die Konstruktions des Nawareums besteht größtenteils aus dem nachwachsendem Rohstoff Holz

Wissen schafft Nachhaltigkeit!

Je tiefer uns die Reise in Sachen Nachhaltigkeit in den Bayerischen Wald führte, umso tiefer ging’s auch im Kopf. Eine Frage ergab eigentlich gleich schon wieder die nächste.  
Wir wollten den Dingen jetzt einmal wirklich auf den Grund gehen. Dabei helfen die vielen Infozentren, Mitmachmuseen und Erlebnispfade, die im Bayerischen Wald zu Hauf vorhanden sind. 
Eines dieser interaktiven Museen besuchen wir heute. Ende 2022 steht es kurz vor seiner Eröffnung, letzte Vorbereitungen laufen, große Hektik.  

Container

Europaweit ist das Konzept dieses Hauses einzigartig.

Eigentlich kein „Museum“ im klassischen Sinne, denken wir bei unserem Rundgang, sondern eine Ausstellung, die wohl immer in Bewegung bleiben wird. Denn sie befasst sich mit Nachhaltigkeit, also sehr erfrischend mit unserer Gegenwart, unserem Leben als Mensch in dieser Zeit auf diesem Planeten. 

Vor dem Rundgang noch ein kleiner Exkurs: In der Donauebene finden sich unzählige steinzeitliche Siedlungsspuren. Das fruchtbare Schwemmland und die reich vorhandenen Rohstoffe ermöglichten es den Menschen früh, hier sesshaft zu werden. Nicht ohne Grund entstand genau hier, am Fuße des Bayerischen Waldes, nach und nach ein wissenschaftliches Zentrum in Sachen Nachwachsender Rohstoffe. Das TFZ (Technologie- und Förderzentrum) als Einrichtung des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums beschäftigt sich hier – noch bevor es 2002 „TfZ“ genannt wurde – eigentlich schon seit 1973 für den ländlichen Raum mit der Nutzung von Energieträgern aus nachwachsenden Rohstoffen und Reststoffen aus der Land- und Forstwirtschaft. Biogene Festbrennstoffe, erneuerbare Kraftstoffe oder Materialien werden hier erforscht. Am TUM Campus Straubing verfolgen verschiedene Studiengänge Ziele im Bereich Nachhaltigkeit und Bioökonomie. Ein Standort des Fraunhofer-Instituts entwickelt nebenan katalytische Verfahren zur Nutzung nachhaltiger Rohstoffe und CO2. Also eine ganze Menge Kompetenz, die sich hier ballt. 

Aber was soll Wissenschaft, wenn sie nicht Wissen schafft, dachte man sich. Woraus die Idee für das hiesige Museum entstand. 

Faszinierende Architektur auch im Innenbereich

Damit zurück zum Haus.  

Die gelungene Architektur des Gebäudes spiegelt bei jedem Schritt und Blick, was Inhalt ist. Holz aus dem Bayerischen Wald. Interessante Ausblicke. Passivhaus. Gute Luft! Sofort riechbar beim Betreten. Die Luft wird aber schnell überholt von den organischen Windungen, die eine Bühnenbildnerin hier verwirklicht hat. Sie macht sich scheinbar eine Art von Magnetismus zunutze, der uns gleich in ein grünes Gebilde hineinzieht. Plötzlich finden wir Erdenbürger uns als Bestandteil einer Pflanzenzelle wieder. Hier geht’s also los mit dem Leben … 

Und so geht’s auch weiter, eins ergibt hier ganz sinnlich das andre. Wachsen, sich ernähren, produzieren, Energie verbrauchen. Jede Station des Rundgangs birgt erstaunliche Entdeckungen. Oft auch ernüchternd in Hinsicht darauf, was grade alles als vermeintlich „nachhaltig“ so unterwegs ist. Dass Kaffeebohnen 19.000 l Wasser verbrauchen (den „To-Go-Becher“ noch nicht mitberechnet vermutlich), Schokolade 17.000 l, Schweinefleisch 6.000 l und Bier nur 300 l. Das lässt nachhaltig Freude auf den nächsten Brauereigasthof aufkommen. 
Wir entdecken einen Fahrradschlauch, der sich sehr robust anfühlt und tatsächlich aus Löwenzahnwurzel hergestellt wurde.  
Es kann viel angefasst werden. Ein schönes Konzept. Denn „Begreifen“ hat viel mit „begreifen“ zu tun.  
Wer ein bisschen mehr Zeit und ein paar Spielkameraden mitbringt: An zwei sehr ausgeklügelten Stationen lassen sich erhellende Spiele spielen. Ein Dorf soll versorgt werden. Mit Energie und Landwirtschaft. Das kann dauern, wenn man’s drauf anlegt … ein guter Tipp für Bürgermeister oder die, die es noch werden wollen.   
 

Es kann viel angefasst werden. Ein schönes Konzept. Denn „Begreifen“ hat viel mit „begreifen“ zu tun.  
Interaktive Mitmachstationen im Nawareum

Ein geniales Kunstwerk 

Das hier ist tatsächlich kein „Museum“ im klassischen Sinne, sondern eine gelungene und vielseitige Auseinandersetzung mit uns selbst, unserem Konsumverhalten, unserem Umgang mit begrenzten Ressourcen.  
Einen wertvollen Beitrag dazu leistet die Kunst. Vom Eingang an bereichern Künstler mit Skulpturen und Installationen das Geschehen. Bis hinauf ans Ende des Rundgangs, denn in einem kleinen Gang kommen mitten im tiefsten Niederbayern zwei bemerkenswerte Briten zum Zuge: Paul Spooner und Tim Hunkin. Die mit ihren hölzernen Automatenkästchen „à la Struwwelpeter“ für Erschrecken und Lachen sorgen. Es zeugt von Weitblick und Humor der Museumsmacher, diese beiden Künstler hier zum Zuge kommen zu lassen. Die in Sachen Nachhaltigkeit keineswegs „auf der Brennsuppe dahergeschwommen“ sind. Paul Spooner betreibt viele seiner „Automaten“ mit einer einfachen Handkurbel. Womit er komplizierteste Vorgänge in Gang setzt. Tim Hunkin ist u. a. Konstrukteur der Neal’s Yard Water Clock im Londoner Covent Garden Bezirk. Ein geniales Kunstwerk, das allein durch den Wasserfluss, ausgelöst von einem Vorratsbehälter auf dem Dach, betrieben wird.  

Nachhaltigkeit, das heißt auch weiterdenken können.
Erfahrt mehr über den Lebensraum Baum und das Thema Holznutzung

Spannende Lehrpfade

Tipp: Neben den vielen informativen Einrichtungen gibt es auch zahlreiche spannende Lehrpfade, die sich verschiedensten Themen widmet. Auch sehr „begreifbar“ und absolut erlebenswert.   

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